City-Managerin Silke Steuer verlässt Neuwied

Innenstadt Stelle soll schnell wiederbesetzt werden
(Von RZ-Redakteurin Christina Nover, RZ Kreis Neuwied vom Freitag, 14. Juli 2017, Seite 16)

Neuwied. Nur knapp eineinhalb Jahre nach ihrem Start in Neuwied wird City-Managerin Silke Steuer die Stadt schon wieder verlassen. Nur noch bis Ende der Woche wird sie in ihrem Büro im historischen Rathaus sitzen, dann geht es für sie zurück in ihre Heimat nach Trier, wo sie eine andere Stelle antreten wird. „Es fällt mir wirklich schwer“, betont Steuer, die sich lediglich auf die Suche nach einem neuen Job gemacht hat, weil notwendige Fördergelder für das kommende Jahr noch nicht bewilligt wurden. „Das hat mir einfach Angst eingejagt“, sagt sie.

Die Stelle des City-Managers wird laut Steuer zu 15 Prozent vom Aktionsforum Neuwied bezahlt, der Rest stammt aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, in das die Stadt Neuwied 2012 aufgenommen wurde. Die Stelle war von vornherein auf zwei Jahre befristet – 2018 bestand die Option auf eine weitere Verlängerung bis 2020. Danach wäre laut Steuer aber Schluss gewesen. „Dann muss man sehen, ob die Chance besteht, die Stelle auf kommunaler Ebene zu finanzieren“, erklärt Steuer.

Sie selbst wird das jetzt nicht mehr betreffen – die Unsicherheit ihres Beschäftigungsverhältnisses hat sie quasi vertrieben. Ein Umstand, den der Vorstandsprecher des Aktionsforums, Franz Becher, zutiefst bedauert. „Es ist sehr schade, dass sie geht. Wir haben immer gut und konstruktiv mit ihr zusammengearbeitet“, meint Becher und lässt durchblicken, dass man besser mit ihr auskam als mit dem Vorgänger.

Ärgerlich ist aus seiner Sicht auch, dass die Fördergelder, die noch bis zum nächsten Frühjahr für die Stelle geflossen wären, nicht abgerufen werden können. Deshalb wird schon ein Nachfolger gesucht – im August soll die Stellenausschreibung erfolgen. Ab kommender Woche wird ein Praktikant, der bereits Anfang des Jahres unter der Führung von Steuer gearbeitet hat, einen Teil ihrer Aufgaben fortführen – allerdings nur bis Mitte August, wie Becher einräumen muss.

Dabei gibt es genug zu tun: Im September steht der nächste verkaufsoffene Sonntag an, der vom Aktionsforum organisiert wird. Das Stadtjournal, das seit 2016 in neuer Form mit einer Werbeagentur aufgelegt wird und Steuer besonders am Herzen lag, soll auf vier Ausgaben im Jahr erweitert werden. Im April 2018 soll zudem das von der City-Managerin ins Leben gerufene Kunstprojekt „Farbklecks Neuwied“ starten, bei dem soziale Einrichtungen aus der ganzen Stadt zu einem Motto Kunstwerke erschaffen, die dann mehrere Monate im öffentlichen Raum in der Fußgängerzone hängen sollen.

Auch das Baustellenmarketing für die Marktstraße, bei dem Steuer intensiv beteiligt war, wird im nächsten Jahr noch eine große Rolle spielen. Die Internetseite des Aktionsforums wird derzeit modernisiert: „Der Gedanke ist, dass die Geschäfte sich dort vorstellen können, sodass die Leute im Internet schon sehen, wo sie was besorgen können“, erklärt Steuer das Konzept, das aus der Idee entstand, einen gemeinsamen Onlinemarktplatz der Neuwieder Einzelhändler zu schaffen, die jedoch aus Kostengründen verworfen werden musste. Während ihrer Zeit in Neuwied stieß Steuer immer wieder an finanzielle Grenzen oder andere Probleme bei der Umsetzung von Vorhaben. Sei es bei der Einrichtung eines Taubenschlags im Historischen Rathaus, der Herausgabe eines Einkaufsführers, einer Sommerdekoration der Fußgängerzone mit Schirmen oder einer Werbekampagne mit dem Neuwieder Olympioniken Kai Kazmirek.

Auch in Sachen Leerstandsmanagement kann Steuer nicht wirklich zufrieden sein. Hierbei arbeitete sie intensiv mit der Wirtschaftsförderung zusammen, erstellte eine Leerstandsdatenbank und einen Flyer, der Lust auf eine Ansiedlung in Neuwied machen sollte. Wie in Steuers Tätigkeitsbericht nachzulesen ist, wurden mehr als 40 Unternehmensgruppen angeschrieben, viele Gespräche geführt und Begehungen mit Immobilienentwicklern gemacht. „Wir müssen der Realität ins Auge schauen. Neuwied ist nicht mehr die Einkaufsstadt, die sie mal in den 70er- und 80er-Jahren war. Es ist unheimlich schwer, es hinzubekommen, dass sich noch jemand ansiedelt“, fasst Steuer zusammen. Sie verweist aber auch darauf, dass Neuwied im Vergleich zu anderen Städten immerhin noch mit einigen attraktiven Ketten und Geschäften punkten könnte, um die „andere uns beneiden“.

Projekte wie der Bücherschrank, das Schachbrett auf dem Luisenplatz und Sitzbänke in der Engerser Straße haben laut Steuer zur Belebung und Attraktivierung der Innenstadt beigetragen. Auch die Aufwertung von Immobilien durch Graffitikunst gehen auf das Konto der City-Managerin. Für die Zukunft wünscht sie dem Aktionsforum, das momentan rund 80 Mitglieder hat, noch mehr Zuspruch. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr Gewerbetreibende anschließen, um wirklich eine starke Gemeinschaft darzustellen“, sagt Steuer und verweist damit auch auf die bisher sehr beschränkten finanziellen Möglichkeiten. Um mehr Mitglieder zu gewinnen, soll das Aktionsforum sich durch eine Umwidmung in einen gemeinnützigen Verein auch für Privatleute öffnen. „Wir wollen vom Image der reinen Werbegemeinschaft weg. Wir tun schließlich aktiv etwas für die Innenstadt“, erläutert Becher.

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